HolzFachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V.

 

Nachhaltige Beschaffung von Holzprodukten

Vielfältige Nachhaltigkeitsaspekte

Öffentliche Verwaltungen und Institutionen kaufen jährlich Produkte und Dienstleistungen in Höhe von schätzungsweise 350 Milliarden Euro ein. Mit dieser enormen Marktmacht können Städte, Gemeinden, Bundes- und Landesbehörden bei der Beschaffung von Produkten und der Auftragsvergabe an Dienstleister entscheidende Weichen in Richtung Klimaneutralität stellen. Denn Erzeugnisse aus nachwachsenden Rohstoffen binden Kohlenstoffdioxid und dienen damit dem Klima- und Ressourcenschutz. Die Beschaffung von Holzprodukten sowie die Realisierung von Holzprojekten im Bau- und Liegenschaftssektor spielen dabei eine besonders große Rolle, da Holz CO₂ über einen langen Nutzungszeitraum hinweg speichert.

Holzprodukte im Büro. Quelle: allefarben-foto
Holzprodukte & Anwendungen sind ein zentraler Bestandteil der nachhaltigen öffentlichen Beschaffung. Quelle: allefarben-foto

Gütezeichen als Orientierungshilfe für nachhaltige Holzbeschaffung

Das Vergaberecht bietet inzwischen einen weitreichenden Gestaltungsspielraum bei der nachhaltigen Beschaffung. So können u.a. Gütezeichen als Beleg dafür herangezogen werden, dass Liefer- oder Dienstleistungen bestimmte Umweltkriterien erfüllen (§ 34 VgV). Solche Gütezeichen können jedoch nicht beliebig gewählt werden, sondern müssen vergaberechtlichen Mindestanforderungen an Eignung, Wissenschaftlichkeit, Transparenz und Zugänglichkeit entsprechen. Darüber hinaus müssen sie immer in direktem Zusammenhang mit dem Auftragsgegenstand stehen, um rechtskonform zu sein. Diesen Anforderungen genügen vor allem Ökolabel des sogenannten Typ 1 (gemäß ISO-Norm 14024). Denn bei diesen Zertifizierungen wird die Umweltverträglichkeit von Produkten durch ein unabhängiges (Experten-) Gremium entlang des gesamten Produktlebenszyklus geprüft.

Doch Achtung: Der öffentliche Auftraggeber muss im Sinne der Wettbewerbsgleichheit im Vergabeprozess auch andere, gleichwertige Gütezeichen akzeptieren, welche die Anforderungen an eine Leistung gleichermaßen erfüllen. Dies gilt insbesondere für Gütezeichen, die in einem anderen Mitgliedstaat der Europäischen Union ausgestellt wurden und dem hiesigen entsprechen.

Beispiele von TYP 1 Gütezeichen im Bereich Holzbeschaffung:

FSC®- Zertifikat (Forest Stewardship Council)

  • FSC 100%: kennzeichnet Produkte, die zu 100% mit Holz (oder Holzfasern) aus vorbildlich bewirtschafteten, FSC zertifizierten Wäldern hergestellt wurden.
  • FSC Recycled: kennzeichnet Produkte, die zu 100% aus Gebraucht- oder Restholz (-holzfasern) hergestellt wurden. Mindestens 85% stammen dabei aus Holzmaterialien oder -fasern, die bereits genutzt wurden (Post-Consumer Recycling), die restlichen 15% aus Materialien, die für die eigentliche Bestimmung nicht genutzt werden konnten (Pre-Consumer Recyclingmaterial).
  • FSC Mix: kennzeichnet Produkte, die zu mindestens 70% mit Holz (oder Holzfasern) aus FSC-zertifizierten Wäldern oder Post-Consumer Recyclingmaterialien hergestellt wurden. Beimischung von anderen verantwortungsvollen Quellen sind bis zu 30% erlaubt.

Die Materialströme der FSC zertifizierten Materialien in und zwischen Unternehmen werden durch ein lückenloses System der Produktkettenzertifizierung überprüft. Die weltweit gültigen Zertifikate können unter https://fsc.org/ überprüft werden.

FSC-Logo
FSC-Logo

PEFC- Zertifikat (Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes)

PEFC zertifiziert Produkte, deren zur Produktion eingesetzter Holzrohstoffe (oder Holzfasern) zu mindestens 70% aus ökologisch, ökonomisch und sozial nachhaltiger Forstwirtschaft stammen. Alle eingesetzten Rohstoffe stammen nachweislich aus nachhaltigen Quellen. Illegaler Holzeinschlag, Umwandlung von Naturwäldern in Plantagen, genetisch veränderte Organismen etc. sind ausgeschlossen. 

Alle beteiligten verarbeitenden Betriebe erfüllen die Anforderungen von PEFC für die Produktionskette (Chain-of-Custody; COC).

PEFC hat ein Vergleichsblatt mit Gemeinsamkeiten und Unterschieden zwischen PEFC und FSC herausgegeben. Hier der Stand von 2018 verlinkt 

PEFC-Logo
PEFC-Logo

Naturland-Ökosiegel

Mit den „Verarbeitungsrichtlinien für Holz aus ökologischer Waldnutzung“ bietet Naturland die Grundlagen für die Zertifizierung verarbeiteter Holzprodukte: 

  • Vollständiger Verzicht auf Kahlschläge und den Einsatz von Chemikalien wie Pestizide und Düngemittel.
  • Möglichst wenig Eingriffe in die natürlichen Entwicklungsabläufe des Waldes.
  • Abgestorbene Bäume verbleiben als ökologisch wertvolles Biotopholz im Wald.
  • Einzelne Teile des Waldes bleiben gänzlich unberührt. 
  • Regelmäßige Überprüfung der Handelsketten vom Wald bis zum Endprodukt durch von Naturland beauftragte unabhängige Kontrolleure.
Naturland-Ökosiegel
Naturland-Ökosiegel

Holz von Hier© – Umweltzeichen

Holz von hier ist ein Umweltzeichen ISO Typ I, welches nachvollziehbar die Stoffströme entlang der gesamten Verarbeitungskette bis zum Produkt erfasst und dokumentiert. Das Umweltlabel erfasst die tatsächlichen Holztransporte und die damit verbundenen Umweltwirkungen. Zertifiziert wird ein konkretes Einzelprodukt oder eine Liefercharge.

  • Das verwendete Holz stammt nachweislich aus nachhaltiger Forstwirtschaft.
  • Verbot von Holz aus Urwäldern (borealen und tropischen Primärwäldern).
  • Verbot von Holz international gefährdeter Baumarten (nach der internationalen Roten Liste von IUCN).
  • Das Holz hat überdurchschnittlich kurze Transportwege entlang der gesamten Verarbeitungskette zurückgelegt und ist damit besonders klimafreundlich.
Holz von hier-Logo
Holz von hier-Logo

Regionale Akteure beteiligen – Es geht auch ohne Zertifizierung

Kleine und mittelständische Unternehmen wie auch innovative Start-Ups verfügen oft nicht über ausreichende zeitliche und finanzielle Mittel, um eine aufwendige Zertifizierung ihrer Produkte durchführen zu lassen. Trotzdem sind diese meist gut und geeignet unsere Umwelt zu schützen. Das Vergaberecht sieht deshalb vor, dass der Auftraggeber auch andere geeignete Belege für Umweltkriterien akzeptieren muss, sofern das Unternehmen nachweist, dass die von ihm zu erbringende Leistung die Anforderungen des geforderten Gütezeichens oder die vom öffentlichen Auftraggeber angegebenen spezifischen Anforderungen erfüllt.

Regionale Akteure sollten im Sinne einer kommunalen Wertschöpfung immer mit bedacht werden. Schließlich können Rohstoffe, Produkthersteller oder Dienstleistungen regional verfügbar sein und entsprechend angeboten werden. Einkäufer sollten daher das Gespräch mit ihren Lieferanten und Dienstleistern suchen.

Quelle: allefarben-foto
Regional im Gespräch sein. Quelle: allefarben-foto

FNR-Fachberatung für nachhaltigen Beschaffung

Die FNR-Fachberatung „Nachwachsende Rohstoffe im Einkauf“ bietet Informationen und praktische Hilfestellungen für die umweltfreundliche Beschaffung von biobasierten Produkten in verschiedensten Bereichen – inklusive Holzanwendungen. Zu den Angeboten zählen u.a.:

  • Newsletter Nachhaltige Beschaffung: Der FNR-Newsletter Nachhaltige Beschaffung richtet sich an Einkäuferinnen und Einkäufer in Kommunen, Behörden, Firmen, Vereinen und private Interessierte. Er erscheint 4-5 Mal im Jahr und informiert über FNR-Aktivitäten im Bereich Beschaffung mit Veranstaltungsankündigungen, Trendthemen, neuen Publikationen und praktischen Hinweisen. Newsletter abonnieren
     
  • Themenportal Nachwachsende Rohstoffe im Einkauf mit umfangreichen Informationen zu allen Beschaffungsbereichen der öffentlichen Hand: https://beschaffung.fnr.de 
     
  • Wanderausstellung Messestand "Das nachwachsende Büro": Parallel zur gleichnamigen Website betreibt die FNR einen modularen Messestand in Form eines vollständig nachhaltig eingerichteten Büros. Die Wanderausstellung ist deutschlandweit auf zentralen Kommunal-Veranstaltungen sowie Messen und Ausstellungen im Beschaffungsbereich unterwegs und unterstützt Initiativen zur klimaneutralen Verwaltung. Tourplan & Anfragen
     
  • Themenhefte und Leitfäden: In der Publikationsreihe "Nachwachsende Rohstoffe im Einkauf" veröffentlicht die FNR regelmäßig Ratgeber und Leitfäden zu aktuellen Themen der nachhaltigen Beschaffung. Diese bieten Informationen zu Produkten und praktischen Ausschreibungshilfen. Die Publikationen können in der Mediathek zum Selbstkostenpreis bestellt oder kostenfrei heruntergeladen werden. https://mediathek.fnr.de


Kontakt:

Ute Papenfuß
Referentin Nachwachsende Rohstoffe im Einkauf
Tel.: +49 (0) 3843 / 6930 - 256
E-Mail: u.papenfuss(bei)fnr.de

Christian Kitzmann
Assistent Nachwachsende Rohstoffe im Einkauf
Tel.: +49 (0) 3843 / 6930 - 371
E-Mail: c.kitzmann(bei)fnr.de

Themenhefte und Leitfäden zur nachhaltigen Beschaffung in der FNR Mediathek. Bild: FNR