HolzFachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V.

 

Innovative Holzprodukte

Holz kann das – Smarte Produkte aus Holz

Ob T-Shirt, Hochhaus oder Zahnpasta: durch kontinuierliche Forschung entwickelt sich die Nutzung des Rohstoffs Holz immer weiter – und spielt eine wichtige Rolle für die grüne Wirtschaft der Zukunft. Dabei wird nicht mehr Holz eingeschlagen als nachwächst. Die nachhaltige Holznutzung und unser Wald entlasten die Atmosphäre jährlich um fast 15 Prozent der gesamten CO2-Emissionen Deutschlands und tragen so zum Klimaschutz bei.

I. Hip mit Holz
II. Hygienisch rein mit Holz
III. Haltbar verpackt mit Holz
IV. Hierhin und dorthin mit Holz
V. Hoch hinaus mit Holz
VI. Hightech mit Holz

Mediathek: Flyer "Holz kann das - Smarte Produkte aus Holz"

 

Flyer "Holz kann das - Smarte Produkte aus Holz", Quelle: © Marharyta Pavliuk - stock.adobe.com
Flyer "Holz kann das - Smarte Produkte aus Holz". Quelle: © Marharyta Pavliuk - stock.adobe.com

I. Hip mit Holz


Schätzungen zufolge verursacht die Textilindustrie rund 10 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen. Die meisten Emissionen entstehen bei der Gewinnung von Plastikfasern, der Weiterverarbeitung und langen Transportwegen. Eine Herausforderung für die Modeindustrie ist das Recycling der Fasern, das bisher teurer und aufwändiger ist als die Neuproduktion.

Stoffe aus Zellulose
Zellulosebasierte Fasern, wie Lyocell oder Tencel™, haben hervorragende Trageeigenschaften, speichern viel Feuchtigkeit und sind langlebig. Im Vergleich zu Baumwolle haben sie einen 10- bis 20-mal geringeren Wasserverbrauch. Im Jahr 2022 soll sogar eine neue zellulosebasierte Faser aus FSC- und PEFC- zertifiziertem Holz auf den Markt kommen. Die neue Zellulosefaser wird ohne umweltschädliche Chemikalien mechanisch veredelt. Der besonders umweltfreundliche Herstellungsprozess macht die Faser wiederverwendbar. Sie kann ohne Qualitätsverlust und ohne Zugabe von Frischfasern zu 100% recycelt werden. 

T-Shirts aus Holz. Quelle: © wijld
Atmungsaktiv und schnell trocknend: T-Shirts aus holzbasierten Fasern. Quelle: © wijld

Veganes „Leder“
Wer bei Holzschuhen noch an Schwedenclogs denkt, wird überrascht sein. Es geht auch eleganter: Holztextil ist das Material der Stunde, weich wie Leder und geschmeidig wie Stoff – dabei aus echtem Holz ausschließlich aus nachhaltiger Waldwirtschaft gefertigt, vegan und nachhaltig. Zum Einsatz kommt das textile Holz nicht nur bei Schuhen, sondern auch in der Automobil- und Polsterindustrie sowie im Innenausbau. Eine weitere vegane Alternative zu Leder sind Kork und Papier. FSC-zertifiziertes Kraftpapier kann z.B. für Rucksäcke eingesetzt werden, stammt aus Deutschland und ist nicht nur reiß- und wasserfest, sondern auch waschbar.

Schuhe aus NUO. Quelle: NUO GmbH | Germany | www.nuo-design.com
Sneaker aus veganem Leder - die Holz-Textil-Kombination ist weich und flexibel. Quelle: © NUO GmbH | Germany | www.nuo-design.com
Rucksack aus FSC-zertifiziertem Kraftpapier. Quelle: © PAPERO
Robust und reißfest: Der Rucksack aus FSC-zertifiziertem Kraftpapier ist eine vegane Alternative zu Leder. Quelle: © PAPERO

Schwimmende Sehhilfe
Brillenrahmen aus Holz sind mindestens so haltbar wie herkömmliche Gestelle aus erdölbasiertem Plastik. Und das Beste an den Holz-Brillen: Einige von ihnen sind so leicht, dass sie auf dem Wasser schwimmen. Rutscht die Brille beim Schwimmen mal von der Nase, geht sie nicht so leicht verloren.
 

 

 

Brillenfassung aus Walnussholz. Quelle: kerbholz.com
Hingucker mit Durchblick: Brillengestelle aus Holz sind leicht und angenehm zu tragen. Quelle: © kerbholz.com

II. Hygienisch rein mit Holz


Im Badezimmer erkennt man nicht unbedingt auf den ersten Blick, wo – neben den bekannten Papierprodukten wie Toilettenpapier und Wattepads – Holz oder seine Inhaltsstoffe enthalten sind. Oder doch?

Selbstreinigende Zahnbürste
Eine Alternative, die ins Auge fällt, ist die Holzzahnbürste. Ob aus nachhaltig zertifiziertem europäischem Buchenholz oder aus holzbasiertem Biokunststoff, Studien zeigen: Holz-Zahnbürsten sind hygienischer als Plastik-Zahnbürsten. Das Naturmaterial desinfiziert sich gewissermaßen selbst, denn es wirkt antibakteriell auf Keime und Bakterien. Im Gegensatz zur herkömmlichen Zahnbürste ist der Griff biologisch abbaubar und kann kompostiert werden.

Holzzahnbürste. Quelle: ©sonyachny - stock.adobe.com
Sauber! Holz-Zahnbürsten wie z.B. aus nachhaltig angebautem Buchenholz wirken antibakteriell. Quelle: ©sonyachny - stock.adobe.com

Mikroplastikfreie Kosmetik
In Duschgels, Peelings oder Zahnpasta werden holzbasierte Inhaltsstoffe als Alternative zu Plastik für Schleifpartikel verwendet. In Kosmetikprodukten wie Cremes oder wasserfestem Make-Up kommen sogenannte Filmbildner auf Holzbasis, speziell aus Lignin oder Zellulose, zum Einsatz und ersetzen solche aus Erdöl. Sie verbessern die Wasser- und Abriebfestigkeit der Pflegeprodukte.

Quelle: © nadianb - stock.adobe.com
Holzbasierte Inhaltsstoffe ersetzen Mikroplastik: In Peelings, Cremes und anderen Pflegeprodukten. Quelle: © nadianb - stock.adobe.com

Flüssigholz für feste Seife
Seifendosen aus Flüssigholz sind eine nachhaltige Alternative zu Plastik- oder Aluminiumdosen. Hergestellt werden sie aus dem Holzinhaltsstoff Lignin, einem Abfallprodukt der Papierherstellung, welches so ressourcen- und umweltschonend zu neuem Leben erweckt wird.

 

 

Seifendosen aus Flüssigholz, Quelle: Spa Vivent
Die Seifendosen aus Flüssigholz sind zu 100% biologisch abbaubar. Quelle: © Spa Vivent

III. Haltbar verpackt mit Holz


Deutschland ist eines der weltweit exportstärksten Länder und benötigt eine große Menge an Industrieverpackungen. Hinzu kommt der wachsende Online-Handel, der ebenfalls zu einem erhöhten Verpackungsbedarf führt. Verpackungen aus Holz, Papier, Pappe und Karton sind dabei bestens geeignet für das Recycling: aus Holz wird Papier, aus Papier wird Pappe und aus Pappe werden Verpackungen und vieles mehr. Durch den längeren Lebenszyklus und über die Beimischung als Altpapier geht wenig vom kostbaren Rohstoff verloren.

Zellulose-Folie darf ins Altpapier  
Nicht alle Produkte können verpackungsfrei produziert und transportiert werden, vor allem nicht im Lebensmittelbereich. Auch Papier ist dabei oft nicht als Verpackungsmaterial geeignet. Eine Alternative sind Folien, die aus dem Holzbestandteil Zellulose hergestellt werden. Sie eignen sich für die Verpackung von trockenen Lebensmitteln wie Müsli, Schokolade, Tee oder Nüssen. Werden sie aus PEFC- und FSC-zertifizierten Abfällen der Holzverarbeitung hergestellt, sind sie besonders nachhaltig. Die leeren Folienbeutel können zusammen mit Altpapier recycelt werden. Die Herausforderung dieser zukunftsweisenden Plastikalternative: komplett wasserfest sind Holzfolien noch nicht.

Quelle: © photology1971 - stock.adobe.com
Zellulose-Folie wird aus Holz gewonnen und ist kompostierbar. Quelle: © photology1971 - stock.adobe.com

Kompostierbare Kaffeekapseln 
Mit 162 Liter jährlichem Pro-Kopf-Konsum ist Kaffee eindeutig das Lieblingsgetränk der Deutschen. Knapp 18 Prozent nutzen dafür eine Kapselmaschine. Auch hier ist Holz eine Alternative zu energieintensiven aluminiumbasierten Kapseln. Zur Herstellung von Holz-Kaffeekapseln werden Restprodukte wie Sägespäne von Holz aus nachhaltiger, PEFC-zertifizierter Forstwirtschaft verwendet. Die Kapseln sind biologisch abbaubar und können über den Heimkompost entsorgt werden.
 

Kaffeekapseln aus Holz, Quelle: rezemo
Reste gut verwertet: Hobelspäne aus Sägewerken werden zu Kaffeekapseln. Quelle: © rezemo

IV. Hierhin und dorthin mit Holz


Holz und Holzwerkstoffe kommen an vielen Stellen im Bereich Mobilität zum Einsatz.

Fahrräder aus Holz
Der Werkstoff Holz ist heute wieder ein begehrter Rohstoff im Fahrradbau. Ob Fahrradrahmen, Laufradfelgen oder Fahrradgriffe – viele Teile können aus dem natürlichen Werkstoff gefertigt werden. Ein schwedisches Jungunternehmen arbeitet an der Entwicklung eines Fahrradhelms, der auf Holz basiert. Das Besondere: Der komplette Helm – von der Schale aus Furnierholz über die Riemen aus extra tarkem Papier und dem Schaumstoff aus Zellulosefasern – wird aus Holz bestehen, so das Ziel.

Holzfahrrad MyEsel. Quelle: © Andreas Maxoness
Stylish und sicher: Nach über 200 Jahren sind Holzfahrräder heute wieder im Trend - Holzfahrrad MyEsel. Quelle: © Andreas Maxoness

Die neue Holzklasse
Holz findet auch verstärkt Einsatz in der Automobilindustrie. Ob bei Armaturen oder im Innenausbau – um Gewicht und damit CO2 zu sparen, greifen viele Hersteller auf den nachwachsenden Rohstoff zurück. Denn hier liegt der größte Vorteil von Holz für die Autobauer. Ein Kubikzentimeter Holz wiegt zwischen 0,5 bis 0,8 Gramm. Bei Aluminium liegt dieser Wert bei etwa 2,7 Gramm, bei Stahl bei 8 Gramm pro Kubikzentimeter. Buchenholz beispielsweise wiegt nur ein Zehntel im Vergleich zu Stahl, besitzt aber ein Drittel seiner Festigkeit. 

Biofore Concept Car. Quelle: © UPM
CO2-Bilanz von Autos verbessern: z.B. mit Zellulose- und Holz-Verbundstoffen im Innenraum. Quelle: © UPM
Biofore Concept Car. Quelle: © UPM
Innenraum aus Zellulose-Verbundstoffen sowie aus lösungsmittelfreien Holz-Verbundmaterialien. Quelle: © UPM
Biofore Concept Car. Quelle: © UPM
Innenraum aus Zellulose-Verbundstoffen sowie aus lösungsmittelfreien Holz-Verbundmaterialien. Quelle: © UPM

V. Hoch hinaus mit Holz


Der Gebäude- und Bausektor ist für rund 40 Prozent der weltweiten Treibhausgas-Emissionen verantwortlich, so viel wie keine andere Industrie. Der weltweite Bau von Wohnungen und Infrastruktur hinterlässt mit rund 40 Milliarden Tonnen jährlichem CO2-Ausstoß den größten Ressourcen-Fußabdruck. Gleichzeitig verschlingt die weltweite Betonproduktion gewaltige Mengen an Sand und Kies und die Stahlproduktion Unmengen an Eisen. Bei weltweit wachsender Bevölkerung mit steigender Lebenserwartung sind nachhaltige Konzepte im Bereich Bauen und Wohnen dringend erforderlich. Holz ist dabei Teil der Lösung.

Nach oben offen
Gebäude aus Holz können eine klimafreundliche Alternative sein. Im Gegensatz zu Beton und Stahl wächst Holz nach und speichert CO2 in Form von Kohlenstoff. Im Baustoff Holz bleibt der Kohlenstoff während der gesamten Nutzungszeit des Gebäudes gebunden. Mehrere knapp hundert Meter hohe Holzhochhäuser befinden sich weltweit bereits in Planung, darunter in Deutschland, Großbritannien, Schweden, Kanada und den USA. Das derzeit höchste, das Mjøstårnet, befindet sich im Norden Oslos in Norwegen und wurde 2019 fertiggestellt. Es ist rund 85 Meter hoch und hat 18 Stockwerke.

Holzhochhaus Mjøstårnet in Oslo, Norwegen. Quelle: Moelven
Nachwachsender Wolkenkratzer: Das derzeit höchste Holzhaus der Welt, Mjøstårnet in Oslo, Norwegen, misst 85,4 Meter. Quelle: © Moelven

Begehrter Lückenfüller 
Weil der Bedarf an Wohnraum in Ballungszentren stetig wächst, werden Lücken in Quartieren nachträglich bebaut oder der Gebäudebestand aufgestockt. Dabei bewähren sich beispielsweise Modulbauten aus Holz, die aufgrund eines hohen Vorfertigungsgrades die Bauzeit minimieren oder bei Aufstockungen mit vergleichsweise geringem Gewicht punkten. 
 

Aufstockung Seniorenheim Ahrensburg, Quelle: Holzbau Gehrmann GmbH
Mehr Raum für das Seniorenheim Ahrensburg - Aufstockung in Holzbauweise. Quelle: Holzbau Gehrmann GmbH

VI. High-Tech mit Holz


Mit seiner Widerstandsfähigkeit, Leichtigkeit oder Formbarkeit ist Holz ein wahres Hightech-Material und eignet sich ideal für die Herstellung von Technikprodukten. Kabellose Handy-Ladegeräte, USB-Sticks, Radios oder Tastaturen können statt aus erdölbasiertem Plastik auch aus nachhaltig produziertem Holz hergestellt werden und stehen den Plastikvarianten in Bezug auf Funktionalität und Haltbarkeit in nichts nach.

Durchsichtiges Holz
Wird der lichtundurchlässige Bestandteil des Holzes, das Lignin, entfernt und durch einen biobasierten, durchsichtigen Kunststoff ersetzt, wird das Holz transparent. Durch die Verstärkung ist es trotz weniger Millimeter Dicke bis zu zehnmal stärker als normales Holz. Das fast durchsichtige und berührungsempfindliche Holz kann zukünftig zum Beispiel bei der Produktion von LED-Bildschirmen eingesetzt werden. In der Automobilindustrie soll das lichtdurchlässige „Touch“-Holz zukünftig für taktile Armaturenbretter eingesetzt werden – die notwendige Elektronik wird integriert.

Bildschirmtechnologie aus Holz. Quelle: Woodoo - Mathieu Genon
Blick in die Zukunft: Bildschirmtechnologie aus Holz. Quelle: © Woodoo - Mathieu Genon
LCD-Display in hölzernem Armaturenbrett. Quelle: Woodoo - Gear Productions
Unsichtbar und sensibel: LCD-Display im hölzernen Armaturenbrett. Quelle: © Woodoo - Gear Productions

Holzbrett mal anders
Hinter dem Holz dieses Wandpaneels befindet sich ein verstecktes LCD-Display, welches über eine Touch-Oberfläche gesteuert wird. Solche Panels können das Wetter anzeigen, die Musik steuern, News-Meldungen anzeigen und mit zahlreichen Diensten und Geräten interagieren.

Wandpaneel mui Lab. Quelle: mui Lab, Inc., https://muilab.com
Touchpad aus Holz - das Wandpaneel mui board. Quelle: mui Lab, Inc., https://muilab.com