HolzFachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V.

 

Holzvorrat

Holzvorrat

Um die Rohstoffversorgung mit Laub- und Nadelholz zu beurteilen, ist die Ermittlung des Holzvorrates eine essenzielle Grundlage. Unter Holzvorrat wird die im Wald vorrätige oberirdische Holzmenge der lebenden Bäume einschließlich der Rinde verstanden. Der Holzvorrat wird in Vorratsfestmeter angegeben:

  • Vorratsfestmeter (Vfm): Angabe des Holzvorrates eines stehenden Baumes oder eines stehenden Waldes einschließlich Rinde. Erfasst wird das Holz über der sogenannten Derbholzgrenze (sieben Zentimeter Durchmesser)

Mit einem gesamten Holzvorrat von 3,7 Mrd. m³ (Vfm) ist Deutschland das holzreichste Land Europas (BWI³).  Rund 3,5 Mrd. m³ der gesamten Waldfläche Deutschlands stehen für die Rohholzproduktion zur Verfügung (TI Stand 2019). 

Im Zeitraum zwischen 2002 (BWI²) und 2012 (BWI³) wuchsen circa 121,6 Mio. m³ (Vfm) Holz in den deutschen Wäldern nach. Das sind 3,9 Kubikmeter pro Sekunde. Im gleichen Zeitraum (2002 bis 2012) wurden circa 75,7 Mio. m³ (Efm) Holz geerntet (BWI³). 

  • Erntefestmeter (Efm): Die Menge des geernteten Holzes wird in Erntefestmeter angegeben. Ein Erntefestmeter entspricht einem Vorratsfestmeter (Vfm) abzüglich ungefähr zehn Prozent Rindenverlust und zehn Prozent Holzernteverlust. 

Knapp 87% der jährlich zugewachsenen Holzmenge werden genutzt oder sind auf das natürliche Absterben von Bäumen zurückzuführen. Die restlichen 13 % gehen in den Vorratsaufbau . Damit wächst deutlich mehr Holz heran, als geerntet wird. Mit der Maßgabe einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung wird dem Wald in Deutschland stets nur so viel Holz entnommen, wie dauerhaft wieder nachwächst. 

Der Holzvorrat Deutschlands und die entsprechenden Zuwachsraten werden im Zehn-Jahres-Rhythmus im Rahmen der Bundeswaldinventur ermittelt. Mit der dritten Bundeswaldinventur (BWI³) stehen der Forst- und Holzwirtschaft Daten zur Verfügung, die für die Umsetzung einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung von hoher Relevanz sind. Die vierte Bundeswaldinventur befindet sich in der Erhebungsphase. Die Ergebnisse werden für 2024 erwartet (Wissenswertes 4. Bundeswaldinventur).

 

Mit einem gesamten Holzvorrat von 3,7 Mrd. m³ (Vfm) ist Deutschland das holzreichste Land Europas (BWI³). Bild: FNR/Freese
Mit einem gesamten Holzvorrat von 3,7 Mrd. m³ (Vfm) ist Deutschland das holzreichste Land Europas (BWI³). Bild: FNR/Freese

Holzvorrat nach Bundesländern

Im bundesweiten Vergleich gehen die Holzvorräte deutlich auseinander. Das Bundesland Bayern besitzt mit 396 m³ pro Hektar (Vfm) gefolgt von Baden-Württemberg mit 377 m³ pro Hektar (Vfm) die höchsten Holzvorräte Deutschlands (BWI³). Den niedrigsten Holzvorrat besitzt Sachsen-Anhalt mit 272 m³ pro Hektar (Vfm) (BWI³).   

Im Zeitraum zwischen 2002 und 2012 ist der Holzvorrat – mit Ausnahme von Nordrhein-Westfalen und Bayern – in allen Bundesländern angestiegen (BWI³). Während Brandenburg (und Berlin), das Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Hamburg (und Bremen), Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein, Niedersachsen hohe bis sehr hohe Vorratserhöhungen verzeichnen, fielen die Zuwächse in Hessen, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz deutlich geringer aus (BWI³). 

 

Im bundesweiten Vergleich gehen die Holzvorräte deutlich auseinander. Quelle: Kühling / FNR
Im bundesweiten Vergleich gehen die Holzvorräte deutlich auseinander. Quelle: Kühling / FNR

Holzvorrat nach Baumgruppen

Gemäß Kohlenstoffinventur 2017 machen Nadelbäume insgesamt rund 61 % des gesamten Holzvorrats in Deutschland aus. Das entspricht einem Vorrat von circa 2,2 Mrd. m³ (Vfm) Nadelholz (BWI³). Der Laubholzvorrat beträgt in den deutschen Wäldern circa 1,4 Mrd. m³ (Vfm) und umfasst damit rund 39 % des gesamten Holzvorrats (BWI³).   

Insgesamt entfallen 45 % der Waldfläche auf Laubbäume und 55 % auf Nadelbäume (BWI³). Mit dem Waldumbau werden nicht standortgerechte Reinbestände aus Nadelhölzern wie Fichten und Kiefern aber zunehmend mit klimawandelgeeigneteren Laubbäumen angereichert. Zukünftig führt dies zu einem steigenden Laubholzvorkommen in Deutschland. Prognosen zeigen, dass die zukünftige Waldgeneration zu 53 % aus reinen Laubwäldern, zu 37 % aus Mischwäldern und zu 10 % aus reinen Nadelwäldern bestehen wird (BWI³). 
Neben der Altersstruktur einer Baumart beeinflussen die unterschiedlichen Baumarten-Zusammensetzungen den durchschnittlichen Holzzuwachs eines Waldes. In Deutschland sind die Vorräte der einzelnen Baumarten – mit Ausnahme der Fichte – im Zeitraum zwischen 2002 und 2012  angestiegen (BWI³). 

Mit 15,3 m³ pro Jahr und Hektar ist der Zuwachs der Fichte zwar relativ hoch, Kalamitäten wie Sturmschäden, Käferbefall oder starke Hitze führten in den vergangenen Jahren jedoch zu einem rückläufigen Holzvorrat dieser Baumart (BWI³). Den größten Zuwachs verzeichnen stattdessen Douglasien und Tannen: Mit einem Zuwachs von 18,9 m³ pro Jahr und Hektar und 16,3 m³n pro Jahr und Hektar machen diese beiden Baumarten jedoch insgesamt lediglich 4 % der gesamten Waldfläche aus  (BWI³). 

Eine anschauliche Karte des Holzvorrats einzelner Baumarten stellt das Thünen Institut zur Verfügung: Karte Holzvorrat nach Baumarten (thuenen.de)

 

Kohlenstoffinventur 2017, Thünen Institut 2019, Grafik Quelle: FNR
Kohlenstoffinventur 2017, Thünen Institut 2019, Grafik Quelle: FNR

Holzvorrat nach Durchmesser

Nahezu der gesamte Vorratsanstieg zwischen den Jahren 2002 und 2012 ist auf dicke Bäume ab 50 Zentimeter Brusthöhendurchmesser zurückzuführen (BWI³). Bäume mit einem Brusthöhendurchmesser ab 50 Zentimeter liefern aktuell insgesamt 23 % des gesamten Holzvorrats (BWI³). Dieser Anteil an Starkholz ist vor allem bei den Baumarten Tanne (48 %), Eiche (42 %) und Buche (38 %) vorzufinden (BWI³).   

Die dritte Bundeswaldinventur liefert ebenso Daten zum Holzvorrat nach der Baumaltersklasse.

 

Messung des Holzdurchmessers während der BWI4 (Quelle: Reents/FNR)
Messung des Holzdurchmessers während der BWI4 (Quelle: Reents/FNR)

Schadholzmengen

Holz, das aufgrund von Sturmschäden, Bruch oder Belastungen wie Insektenbefall für den Holzmarkt wenig attraktiv ist, wird als Schadholz bezeichnet. Insbesondere Schädlinge wie der Borkenkäfer breiten sich aufgrund klimawandelbedingter Trockenheitsphasen rasant aus, da sie von den geschwächten Bäumen infolge von Trockenheit profitieren. Neben den Auswirkungen des Klimawandels beeinflusst die Altersstruktur der deutschen Wälder die Schadholzmenge, da ältere Bäume stärker sturmwurfgefährdet sind als jüngere. 

Allein für die Jahre 2018 bis 2020 belaufen sich die Schadholzmengen insgesamt auf 170,6 Mio. m³. Von dieser Menge entfallen fast 92 % (156,5 Mio. m³) auf Nadelholz – überwiegend auf die Fichte. Hinzu kommen 14,1 Mio. m³ Schadholz aus Laubholzbeständen. 

Jetzt weitere Daten und Fakten sowie Broschüren zum Thema Holz in der FNR-Mediathek anschauen.

 

Schadholzmengen im Wald 2018 - 2020 Quelle: FNR
Schadholzmengen im Wald 2018 - 2020 Quelle: FNR