HolzFachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V.

 

Holz als Torfersatz

Klimaschutz im Gartenbau – und zwar mit Holz!

Holzfaserstoffe sind eine natürliche und nachwachsende Alternative zu Torf in Kultur- und Hobbyerden. 

Trotz klimaschädlicher Auswirkungen ist Torf nach wie vor ein wichtiger Ausgangsstoff für Kultursubstrate und Hobbyerden in Deutschland. Das liegt vor allem daran, dass Torf eine gute Wasserhaltefähigkeit, kaum Verunreinigungen und ein geringes Gewicht aufweist. Zudem ist der Druck durch Krankheitskeime in torfhaltigen Substraten gering. Torf ist aber eine endliche fossile Ressource. Der Abbau und die Verwendung von Torf verursachen nicht unerhebliche Treibhausgasemissionen, die Auswirkungen auf unsere Umwelt und unser Klima haben.

Flyer Gärtnern ohne Torf. Quelle: FNR
Flyer Gärtnern ohne Torf - schütze das Klima! Quelle: FNR

Lass den Torf im Moor – Gründe für ein Umdenken

  • Die Entwässerung intakter Moore führt zu erheblichen klimarelevanten Treibhausgasemissionen: Sie machen mehr als ein Drittel der THG-Emissionen der heimischen Landwirtschaft aus. Damit ist die Klimawirkung landwirtschaftlich genutzter Moorböden gleichzusetzen mit der Tierhaltung.
     
  • Durch den Anbau von Paludikulturen ließen sich die CO2-Emissionen erheblich reduzieren. Neben dem Schutz intakter Moorböden ist daher eine Wiedervernässung der heutigen degradierten Torfgebiete zur Wiederherstellung der einstigen Kohlenstoffsenken bedeutend.
Infografik Lass den Torf im Moor. Quelle: Joosten 2016, Thünen-Institut 2021, FNR 2021
Infografik "Lass den Torf im Moor". Quelle: Joosten 2016, Thünen-Institut 2021, FNR 2021

Gärtnern ohne Torf: Mit Holzfaserstoffen

Der Einsatz heimischer Holzrohstoffe zur Produktion von gärtnerischen Kultursubstraten hilft, den Torfabbau zu begrenzen. So können endliche Ressourcen geschont und klimaschädliche Treibhausgase aus dem Torfabbau und deren Nutzung gemindert werden (Klimaschutz durch Holz).

Als Alternative zu Torf werden Holzfaserstoffe aus unbehandelten Sägeresthölzern wie zum Beispiel Hackschnitzeln, Schäl- oder Frässpänen hergestellt. Verwendet werden vor allem Nadelhölzer wie Fichten, Kiefern und Douglasien. Aber auch an der Verwendung von Laubhölzern für Anzuchtsubstrate wird geforscht. 

Die Verwendung von Holzfaserstoffen hat im Vergleich zum Torf einige Vorteile: 

  • Holzfaserstoffe besitzen ein vergleichbar hohes Porenvolumen wie Torf. 
  • Sie haben eine deutlich höhere Luftkapazität als Torf, was zu einer Auflockerung des Substrats führt, dessen Wasserdurchlässigkeit fördert und dadurch ein gutes Wurzelwachstum ermöglicht. 
  • Sie haben ein geringes Gewicht und einen niedrigen Gehalt an verfügbaren Nährstoffen und weiteren löslichen Salzen, was die Holzfaserstoffe zu einem idealen Mischungspartner für nährstoffreiche und schwere Stoffe wie Kompost macht.
  • Holz ist ein nachwachsender Rohstoff. Holzfasern stehen ganzjährig als Substratersatzstoff zur Verfügung. 
  • Außerdem sind Holzfaserstoffe frei von Pathogenen und Unkrautsamen, stammen aus regional verfügbaren Rohstoffen und sind für den ökologischen Anbau geeignet.

Ein Nachteil ist die leichte Zersetzbarkeit von Holzfasern. Dies kann zur Volumenverminderung und unter Umständen zu einem verstärkten pH-Wertanstieg führen. Dadurch könnte es während der Kultur zum Stickstoffmangel kommen.

Hinweise zur gärtnerischen Nutzung von Holzfasern 

Bis zu einem Anteil von 20 Volumenprozent von Holzfaserstoffen als Ausgangsstoff in Kultur- und Hobbyerden sind keine speziellen Maßnahmen bei der Anwendung nötig.

Ist der Volumenanteil von Holzfaserstoffen größer als 20 Prozent, sollte

  • der Nährstoffgehalt im Kultursubstrat häufiger als gewöhnlich geprüft werden. Gegebenenfalls sind zusätzliche Stickstoffgaben erforderlich (vorzugsweise mit ammoniumbetonten Düngemitteln),
  • relativ fest getopft werden, um eine Sackung in Grenzen zu halten,
  • weiches Gießwasser verwendet und häufiger mit kleinen Wassergaben bewässert werden.
Quellen: Torf und alternative Substratausgangsstoffe - BLE (2020)
Quelle: Torf und alternative Substratausgangsstoffe - BLE (2020)

Gärtnern ohne Torf: Mit Rinde

Die Endlichkeit der deutschen Torfvorräte und das Bewusstsein zur Verwertung von Nebenprodukten der Säge- und Holzwerkstoffindustrie führte dazu, dass Verfahren zur Aufbereitung von Rinde zu substrattauglichem Rindenhumus entwickelt wurden. 

Neben Rindenhumus aus vorwiegend heimischer Nadelholzrinde, der sich als Torfersatz bei vielen Kulturen bewährt hat, kommt Pinienrinde aus dem westlichen Mittelmeerraum für Spezialsubstrate (z.B. Orchideensubstrate) zum Einsatz. Rindenmulch hingegen ist ausschließlich als Abdeckmaterial geeignet. 

Rindenhumus ist kompostierte, zerkleinerte und fraktionierte Rinde mit oder ohne Nährstoffzusätze. In Deutschland wird für die Herstellung von Rindenhumus vor allem Rinde aus der Gewöhnlichen Fichte und in geringer Menge auch Rinde der Waldkiefer verwendet. 

Ebenso wie die Verwendung von Holzfaserstoffen hat auch die Verwendung von Rindenhumus im Vergleich zum Torf einige Vorteile: 

  • Die Rohdichte von Rindenhumus ist circa doppelt so hoch wie die von Weißtorf. Substrate mit Rindenhumus sind daher schwerer als Torfsubstrate.
  • Es hat eine deutlich höhere Luftkapazität als Torf, was zu einer Auflockerung des Substrats führt, dessen Wasserdurchlässigkeit fördert und dadurch ein gutes Wurzelwachstum ermöglicht. 
  • Rindenhumus hat zudem eine hohe Austauschkapazität und damit eine gute Nährstoff- und pH-Pufferung. Die Gefahr von Salzschäden und von Nährstoffverlusten durch Auswaschung wird dadurch minimiert und der pH-Wert stabilisiert. 

Bei hohen Rindenhumusanteilen kann es durch eine erhöhte Manganaufnahme jedoch zu einem induzierten Eisenmangel kommen. 

Hinweise zur gärtnerischen Nutzung von Rindenhumus

  • Die Bewässerungsintervalle sollten dem relativ geringen Wasserspeichervermögen angepasst werden. 
  • Die Nachdüngung sollte stickstoffbetont erfolgen, um einer Stickstoff-Immobilisierung vorzubeugen. 
  • pH-Werte unter 6 sind zu vermeiden, um die Verfügbarkeit von Mangan zu begrenzen und der Gefahr eines induzierten Eisenmangels zu umgehen. Zusätzliche Eisengaben wirken risikomindernd. Liegt der ph-Wert des Bodens unter 6, ist der Boden sauer. Auf die Ansprüche der jeweiligen Kulturen abgestimmte Kalkgaben können das Bodenmilieu neutralisieren.

Die Reduzierung des Torfeinsatzes birgt erhebliches Potenzial zur Einsparung von Treibhausgasemissionen und ist für das Erreichen der Klimaziele der Bundesrepublik unverzichtbar.
Mehr Infos zum torffreien Gärtnern: https://www.torffrei.info/ 

Quellen: Torf und alternative Substratausgangsstoffe - BLE (2020)
Quellen: Torf und alternative Substratausgangsstoffe - BLE (2020)

Projektförderung

Die FNR betreut als Projektträger des BMEL Forschungs- und Entwicklungsvorhaben zur Torfminderung und zum Moorbodenschutz, außerdem Modell- und Demonstrationsvorhaben zum Torfersatz im Hobby- und Friedhofsgartenbau.

Die FNR entwickelt zudem ein Zertifizierungssystem für Torfersatzstoffe. Die Fach- und Verbraucherinformation zum Thema Torfminderung rundet das Handlungsfeld der FNR ab.

Informationen zu laufenden und abgeschlossenen Forschungsprojekten zum Gärtnern mit Holzfaserstoffen und Rindenmulch finden Sie hier: Ausgewählte Projekte.